Startup Spotlight Liechtenstein: Fairzone – Das grüne Tech-Startup für nachhaltige Beschaffung

Eine B2B-Handelsplattform, die nachhaltige Beschaffung vereinfacht und dafür moderne Technologien nutzt – dieser Mission hat sich das Startup Fairzone LVC verschrieben. In der neuen Technopark Liechtenstein Interview-Reihe rücken wir die spannendsten Ideen und Köpfe der Liechtensteiner Startup-Szene ins Rampenlicht. Den Anfang macht Fairzone Gründerin Christine Schmitt.

Christine, wie kamst du zur Startup-Gründung?

Ich bin sehr naturverbunden, komme ursprünglich aus dem Bereich Werkstoffwissenschaften und war in den letzten 20 Jahren in internationalen Konzernen, aber auch kleinen Manufakturen, in der IT als Technischer Projektleiter, im Pre-Sales und als Agile Coach tätig.

Während eines Procurement Outsourcing Projektes bei einer grossen Schweizer Bank kam die Idee zu Fairzone während eines Mittagessens mit einem Projektkollegen. Beide leben wir mit unseren Familien sehr nachhaltig, kaufen überwiegend regionale Bio-Produkte und machen uns Gedanken darüber, wie man Wirtschaft so gestalten kann, dass sie sozialer, umweltfreundlicher und nachhaltiger wird.

Wir haben uns gefragt, wie unsere Welt eigentlich aussehen würde, wenn jedes Produkt, das wir nutzen auch nachhaltig produziert werden würde. Darauf folgte die Frage, ob es eigentlich so etwas wie Amazon für ausschliesslich nachhaltige Produkte gibt. Nach intensiver Recherche wussten wir, dass es das nicht gibt und wir dachten uns, na dann bauen wir das eben selbst. Wir sind aus der IT, wir können das! 

Das Startup war zuerst also im B2C-Bereich angedacht?

Genau, es entstand ein Businessplan und ich nahm am Smart Green Accelerator Programm teil. In diesem Programm war es mir möglich Fairzone so richtig zu planen und in 16 Wochen einen Prototypen zu entwerfen. Durch konstruktive Kritik am Geschäftsmodell habe ich den ursprünglichen Fokus auf Konsumenten geändert auf eine Handelsplattform für Unternehmen. Mit B2B haben wir global einen viel grösseren Impact auf den Handel mit nachhaltigen Rohstoffen und Produkten und die damit verbundene positive Veränderung auf der ganzen Welt entlang der gesamten Lieferkette.

Wie kamst du darauf dein Startup in Liechtenstein zu gründen?

Für Technologie-Startups mit globaler Ausrichtung ist es in Deutschland sehr mühselig zu gründen. Eine GmbH oder AG ist schnell errichtet, da bekommt man schon gut Unterstützung. Aber zu einer Startup Gründung gehört so viel mehr! Viele Gründerzentren sind gar nicht ausgerichtet auf wirtschaftlich erfahrene Gründer, die nur punktuell Unterstützung brauchen, z.B. was die Finanzierungsplanung und den Zugang zu Investoren-Netzwerken anbelangt.

Als ich erkannt hatte, dass ich Fairzone nur in einem internationalem Umfeld aufbauen kann, beschloss ich, damit in ein anderes Land zu gehen.

Ich habe mir verschiedene europäische Länder angesehen, und mich dann erst für die Schweiz entschieden. Über die wirklich gute und professionelle Wirtschaftsförderung Schaffhausen bin ich auf den Technopark Winterthur gekommen und habe bei einem Gespräch über Blockchain vom Technopark Liechtenstein erfahren.

Welche Rolle spielte der Technopark für die Gründung des Startups in weiterer Folge?

Herr Othmar Oehri hat auf meine kurze Anfrage umgehend geantwortet und bei einem Gespräch mit Besichtigung des Technopark in Vaduz einige Zeit später war meine Begeisterung entfacht. Ich hatte einfach das Gefühl, dass wir mit Fairzone genau im richtigen Umfeld sind.

Als Technologie-Startup brauchen wir ein Umfeld, in dem sich ergänzende Startups befinden, zum Beispiel aus dem Bereit IoT, Blockchain und AI.

Herr Oehri hat uns sofort mit wirklich wertvollen Informationen versorgt, sehr gute Kontakte hergestellt und ist bei allen noch so kleinen Fragen zum Netzwerk in Liechtenstein und der Schweiz ein hervorragender Ansprechpartner. Der Technopark bietet uns als noch sehr kleines Startup perfekte Bedingungen. Es gibt reichlich Platz, eine sehr gute Ausstattung und auch für Veranstaltungen ist die Lage einmalig. Ich schätze auch sehr, dass die Technoparks untereinander vernetzt sind. So müssen wir uns nicht gegen einen bestimmten Wirtschaftsraum entscheiden, wenn wir uns in einem anderen gründen. Die Technoparks in der Schweiz haben ebenfalls tolle Startups, mit denen wir sehr gerne zusammenarbeiten möchten.

Fairzone habe ich dann in Liechtenstein als LVC gegründet und nahm am Innosuisse Venture Lab Training teil, und diese Entscheidung war genau richtig. Es hat mir sehr viele Einsichten gebracht und mich in meinem Geschäftsmodell bestärkt.

Mit welchen Herausforderungen siehst du dich konfrontiert?

Ein der grössten Herausforderungen ist sicher, dass es immer noch sehr viele Menschen gibt, die die ganze Nachhaltigkeitsbewegung für grossen Unsinn halten. Selbst bei einem der grössten Startup-Förderprogrammen Deutschlands hat man unser Projekt abgelehnt, weil man keinen Sinn darin sah, obwohl wir technologisch Innovatives planen. Ein sehr häufiges Argument war, dass so eine Plattform doch viel zu gross und nicht tragbar sei.

Eine weitere Herausforderung ist, Projektpartner zu finden, die global denken und sich vorstellen können, was z.B. ein B2B-Marketing im nachhaltigen Sektor von der “konventionellen” Wirtschaft unterscheidet.

Viele denken auch sofort, dass wir als Fairzone Händler der Produkte sind. Nein, wir sind tatsächlich ein Tech-Startup, das eine Plattform baut. Das können sich manche wohl einfach nicht vorstellen, insbesondere wenn vor ihnen eine “Öko-Frau” steht. (lacht)

Meistern kann man das nur, wenn man sich diese Kritiken genau durch den Kopf gehen lässt und sich fragt: “Und wie kann ich es doch hinkriegen? Wo muss ich als nächstes schauen?” 

Eines habe ich mit der Zeit gelernt: man muss sich mit Menschen umgeben, die Experten auf ihrem Gebiet sind und ebenso von der Sache begeistert sind. Dann gibt es auch Lösungen.

Was sind die nächsten Schritte für Fairzone?

Wir bauen nun die technische Plattform für Fairzone auf und sind bereit, die ersten Lieferanten mit nachhaltigen Produkten aufzunehmen. Da wir keine Händler sind, treten wir mit anderen Handelsplattformen und Marktplätzen nicht in direkte Konkurrenz, sondern schaffen mit Schnittstellen Synergien. Unsere Vision ist, dass im Laufe der Zeit so viele nachhaltige Produkte wie möglich konventionelle Produkte ersetzen werden. Das würden wir nicht erreichen, wenn wir andere Marktplätze verdrängen würden. Es macht Sinn, dass man Synergien nutzt.

Dies gilt auch für soziale Organisationen und Umweltschutzorganisationen. Man mag es nicht glauben, aber auch da kann sich noch ganz viel Bewusstsein für nachhaltige Beschaffung entwickeln. 

Eines der nächsten Handlungsfelder auf unserer Roadmap ist die nachhaltige Beschaffung in öffentlichen Verwaltungen. Wir haben davon gut 250’000 in ganz Europa, die nun immer mehr nachhaltig beschaffen wollen oder gesetzlich dazu verpflichtet sind. Die oft notwendigen Ausschreibungsverfahren sind komplex, das weiss ich aus eigener Erfahrung, da ich schon an so einigen internationalen Ausschreibungen mitgearbeitet habe. Es ist nicht leicht für den kommunalen Einkäufer passende regionale oder nachhaltige Lieferanten zu finden. 

Erfahre mehr über die Leistungen des Technopark Liechtenstein

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