Startup Spotlight: matriq AG – Revolutionierung in der Welt der Markierungen

 

Interview mit Dr. André Bernard, Co-Founder des Start-Ups matriq, dem ersten Spin-off der NTB Buchs (heute OST).

Als Biochemiker bzw. Immunuloge hat er sechs Jahre bei IBM im Forschungslabor in Rüschlikorn gearbeitet, wo er doktorierte und «zum Physiker mutiert wurde», wie er es beschreibt. Danach war er für den Aufbau eines Start-Ups für medizinische Diagnostik in Tübingen zuständig. Fünf Jahre später hat er an der NTB Buchs (heute OST) die Leitung des Instituts für für Mikro- und Nanotechnologie (MNT, heute IMP) übernommen. Vierzehn Jahre lang hat er dort als Professor unterrichtet und für die Industrie Innovationsprojekte in seinem Team bearbeitet. Am MNT hat er mit seinem Team die heutige Technologie «DynamicMold» der matriq AG entwickelt. Im Oktober letzten Jahres gründete er mit seinen Partner matriq als Spin-off der NTB. Im September stellte er sein Start-Up im Technopark beim Start-Upéro vor.

Was verbirgt sich hinter der matriq AG?

Bauteile müssen heute für ihre Nach- und Rückverfolgbarkeit individuell gekennzeichnet werden, meist mittels 2D-Codes (DataMatrix, vergleichbar mit QR). In der Medizintechnik ist dies z.B. vom Gesetzgeber vorgeschrieben, ebenso in Automotive-Produkten. matriq hat dafür eine völlig neuartige Markierungslösung erfunden, die als pillengrosser Formeinsatz ins Formwerkzeug eingebaut wird und direkt im Herstellprozess eines jeden Kunststoffbauteils einen individuellen Code in Millisekunden aufprägt. matriq verkauft dabei die «Markierungen» und stellt dazu die Hard- und Software in Lizenz zur Verfügung. Wir wollen die Welt der Markierungen im Spritzguss revolutionieren.

Was macht Euch und Euer Angebot einzigartig? 

Unsere Lösung ersetzt heutige Technologien wie Lasermarkierung oder Klebeetiketten, die allesamt erst nach der Herstellung der Produkte als völlig separater Prozessschritt  laufen. Unsere Markierlösung ist schneller, braucht keine zusätzliche Automatisierungstechnik und Produktionsfläche neben der Spritzgussmaschine, enthält Sensoren, die den Prozess überwachen und verbessern können, erhöht die Produktivität der Hersteller und senkt die Kosten. Ausserdem bauen wir einen «Echtheitsschutz» als Kopierschutz gegen Fälschungen direkt in den Code mit ein. DynamicMold ist die einzige direkt in den Formungsprozess integrierbare Technologie. Somit machen wir die Spritzgussform zum Teil der Industrie 4.0.

DynamicMold Formeinsatz sitzt direkt in der Spritzgussform und markiert dort jedes produzierte Bauteil individuell.

Wer sind Eure Kunden?

Wir arbeiten B2B in der Kunststoff-Branche für «MedTech» (Diagnostik-Verbrauchsteile, Pharmaverpackungen, Spritzen, Röhrchen usw.), «Automotive» (Form- und Funktionsteile u.ä.) und «Industrie / Konsumgüter» (z.B. mechanische Teile in Kaffeemaschinen, Gehäuse usw.). Unsere direkten Kunden sind Spritzgiesser, also Hersteller von Kunststoff-Produkten, die oft als Dienstleister für Endabnehmer arbeiten. Natürlich sprechen wir auch mit letzteren. Ebenfalls adressieren wir Maschinenhersteller für diese Branchen. Zu Beginn werden die ersten Implementierungen als Projekte geführt, später verkaufen wir «Markierungen» als selbstständiges on-demand Produkt im pre-paid-Modell.

Wie ist die matriq AG entstanden?

matriq wurde von vier Mitarbeitenden der NTB vor einem Jahr als Spin-off gegründet – Klaus Dietrich und ich arbeiten für matriq, Cornelia Nef und Mathias Mächler sind an der OST geblieben und arbeiten mit uns über Aufträge und Forschungsprojekte zusammen. Die einzigartige Infrastruktur in Buchs wird zur Herstellung der ersten Produktserie eingesetzt. Die Idee zu DynamicMold kam uns bereits 2013 im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Rapperswil (ehem. HSR); als wir Mikrospritzguss mit miniaturisierten Heizern machen wollten, entdeckten wir die Möglichkeit, Kontraste sehr elegant im Kunststoff zu erzeugen – das war die Geburt. Nach der ersten NTB-eigenen Patentanmeldung war schnell klar, dass die Invention nur durch eine neue Firma zur Innovation werden kann.

Die vier Gründer der matriq AG: André Bernard, Cornelia Nef, Mathias Mächler und Klaus Dietrich (v.l.n.r.)

Was ist Dein grösstes Learning als Unternehmensgründer?

Das grösste Learning war für uns natürlich die Herausforderung des Lockdowns der Corona Kriese mit den damit verbundenen Absagen wichtiger Events, Messen, Investoren-Foren und dergleichen. Auch das Verlangsamen auf Lieferanten- und Kundenseite ist «schwierig». Wichtig ist deshalb für uns der Fokus auf die Liquidität des Unternehmens und auf das Produkt mit der besten «value proposition», ohne unnötigen Aufwand. Ausserdem steht der Kunde im Zentrum. Die Aufmerksamkeit und Preisgelder von Startup-Wettbewerben (Startfeld Diamant, Venture Kick, >>venture>>, …) würden wir wieder mitnehmen. Ebenfalls hilft uns das enorm grosse Netzwerk zu Industrie und wichtigen Stakeholdern, das wir über Jahre aufgebaut haben.

Welche Tipps hast Du für jetzige Studierende und Forschende der OST zum Thema Gründung?

Es ist eine Ehre, das erste Spin-off der NTB erschaffen zu haben, und gleichzeitig wünschte ich mir, dass es in der 50-jährigen Geschichte der NTB bereits das fünfzigste wäre. Unternehmensgründungen gleich nach dem Studium brauchen «Wissen, Inhalt und Mut», das erste kann im Studium gelernt werden, dazu sollten die geeigneten Gefässe allerdings an der OST Buchs noch geschaffen werden. Das zweite kann z.B. während der Bachelor- oder Masterarbeit erarbeitet werden, die Dozierenden können hier gut sensibilisieren. Für letzteres helfen gute Beispiele und Vorbilder. In Zusammenarbeit mit der Uni LI und durch die Fusion zur OST sind die besten Rahmenbedingungen eigentlich da… Wenn ich da mithelfen kann: gerne!

Wie geht’s nun weiter?

Wir haben eben unsere erste Finanzierungsrunde über 1.75 MCHF erfolgreich abgeschlossen. Noch dieses Jahr lancieren wir unser erstes Produkt (Nullserie), den weltersten digitalen Datumsstempel für Spritzguss. Dieser dient auch dazu, die Kundenwünsche und industriellen Besonderheiten noch besser zu erfassen. Wir müssen zudem noch unsere Software-Lösungen bauen. Ferner suchen wir vier weitere Mitarbeiter*innen, für Informatik, Konstruktion, technischer Vertrieb und Business Development. Ziel ist es, bereits 2020 Umsätze zu machen, vernünftig zu wachsen und in naher Zukunft matriq als den führenden Anbieter für das digitale Wasserzeichen im Kunststoff zu positionieren. Nichts weniger als das! 

 

Autor: Tanja Steck

Erfahre mehr über die Leistungen des Technopark Liechtenstein

Weitere Beiträge

Melde dich zu unserem Newsletter an

Erhalte unseren monatlichen Newsletter mit Updates zum Technopark, der Startup Welt und Veranstaltungen in der Region.

Du bist nun angemeldet