Software Solutions und soziale Verantwortung – Wie das Startup Gabera beides vereint

Issaka Ardaly, CEO & CTO, und Martin Grabher, People Officer und Mitgründer, von Gabera Software Solutions AG berichten vom besonderen Aufbau ihres Startups, welches in der Schweiz und im Niger tätig ist. Welche Herausforderungen gibt es beim Aufbau einer Remote-Office-Kultur über Kontinente und Kulturen hinweg? Was ist ihre Motivation, in Westafrika Bootcamps aufzubauen und Programmier:innen auszubilden? Warum glauben sie, dass die Zukunft nicht nur im Silicon Valley, sondern vielmehr in den “Silicon Savannahs”, den Techzentren Afrikas, liegt?

Tanja: Hallo Issaka und Martin, was steckt hinter eurem Startup Gabera Software Solutions?

Issaka: Wir sind ein junges Startup und stellen kundenspezifische Unternehmenssoftware für unsere Pilotkunden aus dem Logistik- sowie Bankensektor in Deutschland und Liechtenstein her. Die Software entwickeln wir inhouse an unserem zweiten Standort im westafrikanischen Niger. Dort bilden wir junge Talente praxisorientiert zu hochqualifizierten IT-Fachkräften aus. Damit wollen wir auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.  

Martin: Wie für viele Betriebe ist es auch für uns eine Selbstverständlichkeit, Nachwuchs auszubilden. Jeder Betrieb, der Lernende ausbildet, investiert in seine Zukunft und nimmt gleichzeitig soziale Verantwortung wahr. Wir sind grundsätzlich nicht anders, gehen allerdings einen Schritt weiter: Die zweijährige Vollzeitausbildung von IT-Fachkräften ist Teil unseres Geschäftsmodells und bildet ein Schwerpunkt unserer täglichen Arbeit. Unsere Vision ist es, Tech-Hubs in Westafrika aufzubauen und jungen Menschen Perspektiven zu bieten. Zudem ist es in der DNA unseres Startups, innovative Unternehmenssoftware für soziale Einrichtungen, wie Schulen und Spitäler, zu entwickeln.  

Tanja: Wie seid ihr auf die Idee für diese Firma gekommen?

Issaka: Ich bin selbst im Niger aufgewachsen. Ich hatte das Privileg, in Deutschland meinen Master in Security & Forensik abzuschliessen und dort wie auch in Liechtenstein als Softwareentwickler im Logistik- und Bankensektor zu arbeiten. Mein grösster Wunsch ist es, Perspektiven für talentierte junge Menschen zu schaffen, die in ein Umfeld hineingeboren wurden, in dem sie sich – wie ich damals  im Niger – kaum verwirklichen können. Die Idee, Business mit sozialer Verantwortung zu verbinden, hat Arbeitskollegen und Freunde von mir angesteckt. Zu sechst haben wir Ende 2020 Gabera Software Solutions gegründet.  

Junge Software-Entwickler:innen in den “Silicon Savannahs”

Tanja: Wow, toll, dass du diesen Wunsch nun verwirklichen kannst! Wie ist das Team in der Schweiz und im Niger aufgebaut? Und wie gestaltet sich eure kontinent-übergreifende Zusammenarbeit?  

Martin: In der Schweiz haben wir eine Aktiengesellschaft gegründet und im Niger eine GmbH. Unser diverses Team hier in Liechtenstein und der Schweiz besteht aus Fachkräften aus dem IT-Sektor, der Finanz- und Logistikbranche und der internationalen Zusammenarbeit. Im Niger bauen wir ein lokales Managementteam auf, das unsere Firma vor Ort führt. Es entspricht unserem Führungsverständnis, dass wir unsere Mitarbeitenden im Niger eng begleiten, coachen und beraten, um ihre Leadership-Kompetenzen zu stärken. 

Issaka: Unser Team im Niger digital zu führen, stellt uns vor grosse Herausforderung. Es fordert eine gute Führungskultur, die trotz örtlicher Distanz Orientierung, Vertrauen und Nähe schafft. Wir arbeiten mit flachen Hierarchien, orientieren uns – ohne ideologisch zu sein – an Ansätzen der Holokratie. Ein grosser Effort liegt im Aufbau guter interner Kommunikationswege und einer transparenten und werteorientierten Arbeitskultur, die Informationsasymmetrien und Missverständnissen vorbeugt.  

Tanja: An was für Projekten arbeitet ihr derzeit? 

Martin: Wir konnten mit der Firma Witron in Deutschland einen ersten Kunden gewinnen, der mit uns ein Pilotprojekt im Bereich Lagerlogistik-Software durchführt. Die Basis dafür ist unsere Software DallaDalla, eine generische Workflow-Lösung. In Liechtenstein erarbeiten wir gerade eine Talentmanagement-Software für eine namhafte Bank. Und im Niger haben wir einen Entwurf für eine moderne Schulsoftware entwickelt, den wir so bald als möglich umsetzen wollen.  

Tanja: Gratulation! Was wollt ihr in 5-10 Jahren mit eurem Startup erreicht haben?

Issaka: Wir glauben, dass wir als Softwareunternehmen da sind, um grossartige und sorgfältig durchdachte Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die den Menschen – Kunden, Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und Gemeinschaften, in denen wir arbeiten – helfen, ein sicheres, gesundes, vernetztes und erfülltes Leben zu führen. Das treibt uns an.  

Martin: Um Menschen Perspektiven zu eröffnen, möchten wir in den nächsten Jahren hunderte von IT-Fachkräften und Führungskräfte ausbilden. Wir wollen einen zertifizierten und  anerkannten Abschluss bieten, der Zugang zu internationalen Jobmöglichkeiten eröffnet – primär bei Gabera, bei unseren Kunden und Partnern oder in anderen Unternehmen. Dazu möchten wir ein Netzwerk an afrikanischen Lern-Hubs aufbauen und diese mit weltweiten Wissenspartnern, Bildungseinrichtungen und Unternehmen verbinden.  

Das Ausbildungsprogramm von Gabera Software-Solutions bietet den jungen Talenten Zukunftsperspektiven

Wichtig ist, sich als Startup von Anfang an zu überlegen, ob und wie man soziale Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell umsetzen und leben will.

Tanja: Wie können andere Startups diesen Gedanken der sozialen Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit bei sich realisieren? 

Martin: Wichtig ist, sich als Startup von Anfang an zu überlegen, ob und wie man soziale Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell umsetzen und leben will. Will man nur eine finanzielle Rendite oder auch eine soziale und ökologische? Das ist ein strategischer Grundsatzentscheid, den man am besten bereits vor der Gründung fällt, damit die Prioritäten und die Konsequenzen – ein potenziell geringerer finanzieller Gewinn – von allen Gründer*innen mitgetragen werden.  

Issaka: Genau. Als Gründungsteam ist es wichtig, sich explizit und vertieft mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen: Welcher Ansatz der unternehmerischen Verantwortlichkeit für die Gesellschaft ist für uns wichtig? Engagieren wir uns im Rahmen von CRS (Corporate Social Responsibility) Aktivitäten? Oder stellen wir uns konsequent als Sozialunternehmen auf und priorisieren die soziale Rendite? Es gibt eine Bandbreite an Optionen. Bei Gabera haben wir den Ansatz des Corporate Shared Value (CSR) gewählt: Wir möchten eine Win-Win-Symbiose zwischen finanziellem Gewinn und Lösung gesellschaftlicher Probleme schaffen, sodass die Wettbewerbsfähigkeit von Gabera und zugleich das Wohl der Gesellschaft langfristig gesteigert wird. In der simultanen Schaffung gemeinsamen Mehrwerts sowohl für die Gesellschaft wie auch für unsere Firma liegt der Shared Value.  

Issaka und Alice von Gabera bei der Vertragsunterzeichnung im Technopark Graubünden mit Eugen Arpagaus (CEO Technopark Graubünden) und Othmar Oehri (CEO Technopark Liechtenstein).

Tanja: Warum habt ihr hier in Liechtenstein im Technopark gegründet?  

Issaka: Hinter dem Technopark stehen Personen, deren Herzensanliegen es ist, Menschen zu helfen, ihre Ideen zu verwirklichen. Wir dürfen an ihrem Knowhow, ihrem reichen Erfahrungsschatz und den grossen Netzwerken teilhaben. Das persönliche Coaching, die Beratung und die Vernetzung mit potenziellen Kunden, Partner*innen und anderen Start-ups bringen Synergien und Hilfeleistungen, ohne die uns der Start in die Eigenständigkeit kaum oder nur erschwert gelungen wäre. Wären wir nicht Mieterin im Technopark, hätten wir uns unmöglich in kurzer Zeit so stark entwickeln können. Besonders dankbar sind wir für die unkomplizierte Arbeitsweise und dafür, dass wir für all unsere Fragen jederzeit auf offene Ohren stossen.  

Martin: Neu sind wir zusätzlich auch Mieterin im Technopark Graubünden und können damit gleich doppelt in wertvolle Netzwerke tauchen. Diese beschränken sich nicht auf die Region, sondern umspannen die ganze Schweiz und den gesamten deutschsprachigen Raum. Wir hoffen, dass wir selbst eines Tages Technoparks in Afrika gründen können, um an die Gesellschaft zurückzugeben, was uns hier in den Technoparks Liechtenstein und Graubünden ermöglicht wird. 

Martin Grabher, Gabera Software Solutions
Issaka Ardaly, Gabera Software Solutions

Tanja: Vielen Dank Issaka und Martin, und weiterhin viel Erfolg für euer Startup und euer Team!

Du hast eine gute Business-Idee im Software-Bereich? Nutze die positiven Bedingungen in Liechtenstein und mach den Technopark zur Heimat deiner Firma!

 

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